Kapitel 08 von 08 · Cap d’Agde · Lyon · Frankreich
Endzeitstimmung an der Côte d’Azur – Sonnentag in Lyon
Aus unserem Reisetagebuch
Wir tuckern noch etwas weiter der Küste entlang und fahren wieder nach Frankreich, wo wir am Mittelmeer einen Stopp einlegen. Am Cap d’Agde finden wir einen Campingplatz, der mit dem Label «Ecochic» wirbt. Das schauen wir uns gerne an. Der Camping ist zwar völlig in Ordnung – wir sind da nicht anspruchsvoll –, aber der Ort an sich ist etwas gar in die Jahre gekommen. Agde hat nach unserer Recherche lange darunter gelitten, dass der eigentliche Ort nicht direkt am Meer liegt, und errichtete in den 1970er-Jahren an der Küste eine Retortenstadt für den Tourismus. Riesige Komplexe mit Ferienwohnungen prägen das Bild. Die oft kreisrunde Bauweise ist nicht uninteressant, doch vieles ist ziemlich heruntergekommen und mindestens jetzt im Herbst eher unbelebt. Vor allem ist alles mit hohen Zäunen und Gittern abgesperrt – also nicht zugänglich und damit auch nicht belebbar. Uns erinnert das Ganze an Marc Augés Begriff der Nicht-Orte. Wir erkunden die Gegend mit unserem architektonischen und sozialen Blick. Den Rest gibt uns die Touristenmeile am Hafen, auf der es abends wie auf einem Rummelplatz zugeht. Da hilft nur noch ein kleiner Ricard an der Hauptpromenade und später der Rückzug in den Freigeist.
Heute ist es dort ruhig und gemütlich – ganz im Gegensatz zum Vorabend. Da hat es nämlich auf dem Campingplatz gebrannt und einiges an Aufregung gegeben. Wir wurden alle zum Sammelplatz gerufen und mussten auf Anweisungen warten, die dann letztlich nicht kamen. Feuerwehr, Rauch und viele Menschen, die nicht wussten, was zu tun war. Der Brand konnte gelöscht werden, und um etwa 23 Uhr durften wir zurück in unsere Camper. Zum Glück wurde niemand verletzt. Einzig zwei Cottages sind mit sämtlichem Hab und Gut der dort wohnenden Reisenden niedergebrannt. Sicher kein schönes Erlebnis. Wichtig ist aber, dass keine Menschen zu Schaden kamen.
Am nächsten Morgen fahren wir früh nach Lyon, wo wir nochmals zwei Nächte auf dem Stadtcamping bleiben und am Montag eine Erkundungstour machen. Lyon ist auf jeden Fall eine schöne und sehenswerte Stadt. Wir starten mit einem Bummel durch die Les Halles de Lyon Paul Bocuse, wo wir einige Leckereien probieren und einkaufen. Danach geht es mit der Funiculaire hoch zur Basilika und zum alten römischen Amphitheater. Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die Vieille Ville suchen wir eine der berühmten Traboules auf. Diese versteckten Gänge und Passagen sind typisch für Lyon. Sie sind ein Überbleibsel aus dem Mittelalter, als die miteinander verbundenen Innenhöfe und Hausflure genutzt wurden, um Waren zu transportieren. Später trinken wir einen weiteren Ricard vor der Oper und schlendern weiter durch die Stadt, bis uns die Füsse fast abfallen. Am Schluss fahren wir mit dem Taxi zurück zum Campingplatz – diesen Luxus gönnen wir uns gerne. Der letzte Tag unserer Ferien überrascht uns mit viel Sonne und keinem Regen. Wie schön!




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