Monatsblog Mitte Dezember 2021: Résumé nach 6.5 Monaten

6. Dezember 2021 | Eurasientour, Monatsblog

Monatsblog Mitte Dezember 2021: Résumé nach 6.5 Monaten

Befindlichkeit – wir geniessen sogar die Langeweile und das ist ein gutes Zeichen

Unsere Reise neigt sich bald dem Ende zu und wir reden nun oft darüber, was diese wunderbare Auszeit mit uns gemacht hat. Eins vorweg: wir sind total glücklich, dass wir diese Reise unternommen haben und fühlen uns so richtig angekommen in der Erholung. Wir sind freier im Kopf, körperlich erholt und schauen mit Zufriedenheit auf die letzten Monate zurück. Übrigens haben wir tatsächlich das Gefühl, dass wir schon sehr lange unterwegs sind und die Frage vieler Freund*innen, ob die Zeit nicht zu schnell vorbei gegangen sei, können wir eigentlich mit nein beantworten. Unbestritten würden wir es noch länger aushalten unterwegs und es ist uns auch nie langweilig oder wenn, dann können wir uns dieser genüsslich hingeben – einfach mal gar nichts zu tun und dazusitzen und die Zeit verrinnen zu lassen ist ein echt gutes Gefühl. Und wenn wir beispielsweise Fotos anschauen, die wir zu Beginn unserer Reise gemacht haben und darüber reden, was wir da erlebt haben, dann kommt es uns vor als sei das mehrere Jahre her… es ist tatsächlich so, dass sich unser Zeitgefühl etwas verschoben hat und wir haben auch das Bedürfnis, unsere Erlebnisse in den nächsten Wochen und Monaten nochmals zu ordnen und schön setzen zu lassen. Es gilt aber auch, das was wir erfahren und erlebt haben unterwegs sowie die Gelassenheit, Zuversicht und den Perspektivenwechsel in unseren Alltag zu Hause einzubringen. Die Gewissheit, dass es immer eine Lösung gibt, dass wir jeder Planänderung und Herausforderung etwas abgewinnen können und dass uns Menschen grundsätzlich freundlich und hilfsbereit begegnen, ist ein Wissens- und Erfahrungsschatz, den wir sorgfältig pflegen und bewahren wollen. Dies in der Hoffnung, nicht direkt wieder im altbekannten Hamsterrad zu drehen (am liebsten gar nicht mehr) und vielleicht die eine oder andere Sache und Einstellung zum Leben etwas anpassen zu können. Das ist unser – auf jeden Fall hochgestecktes – Ziel.

Unser Zuhause der letzten 6.5 Monate – gemütlich, funktional und flexibel

Wir fühlen uns sehr zu Hause in unserem Freigeist und egal wo wir stehen, sind wir im Nu eingerichtet und bereit zu wohnen. Ob am Strand, im Wald, auf dem Berg oder auch mal auf einem Park- oder Campingplatz – wir richten es uns einfach gemütlich ein und schon fühlen wir uns wohl. Jetzt im Dezember, wo es auch hier in Griechenland kühler wird oder auch mal regnet, sitzen wir in unserer guten Stube, die gleichzeitig Cockpit, Küche, Bad, Büro und Schlafzimmer ist und geniessen die gemütliche und kuschelige Atmosphäre. Und sobald es trocken ist oder von der Temperatur her möglich, zieht es uns dann doch wieder raus an die frische Luft. Wir merken, wie wohltuend das Draussensein ist und frische Luft und Natur ist für uns einer der besten Erholungsfaktoren für Körper und Geist. Wir haben auf Tripline jeden unserer Schlafplätze gespeichert und mit einem Foto dokumentiert – es sind über 110 Plätze an denen wir die letzten Monate übernachtet haben. Ganz oft haben wir Plätze mit Wehmut verlassen und mussten uns überwinden, weiterzufahren. Wir haben aber gelernt loszulassen, weil wir wissen, dass ein neuer schöner Platz auf uns wartet. Und es gab letztlich wenig Plätze, die nicht optimal waren und was besonders erstaunlich ist: wir erinnern uns an beinahe jeden Stellplatz und können das was wir da erlebt haben mit dem Ort und dem Bild verknüpfen.

Und wie ihr vielleicht mitbekommen habt, ist noch eine Bewohnerin zugestiegen in unser Zuhause. Souflaki, die kleine Katze aus Griechenland scheint sich offenbar wohl zu fühlen bei uns und hat bereits ziemlich viel Fläche in Beschlag genommen – sozusagen alle Sitzgelegenheiten! Aber da sie nicht zu uns ins Bett darf – und sich tatsächlich daran hält (jedenfalls wenn wir anwesend sind), überlassen wir ihr die anderen Plätze gerne:-).

So viele Menschen und Begegnungen – das müssen wir nochmals sortieren

Zum Reisen gehören für uns auch die Menschen und Begegnungen mit ihren Lebensweisen, Lebensbedingungen und interessanten Geschichten. Wer unsere Blogs regelmässig liest, hat dies sicher bereits mitbekommen. Und wir hatten unzählige solche Begegnungen – nicht alle konnten oder wollten wir dokumentieren aber sie bleiben in unseren Herzen gespeichert und haben viel mit uns gemacht. Wir werden in den kommenden Monaten sicher nochmals einiges sortieren und die eine oder andere Geschichte rekonstruieren. Wir wiederholen uns, das ist uns bewusst, aber wir können es nicht oft genug betonen: Was wir an Herzlichkeit, Hilfsbereitschaft, Fürsorge und interessanten Gesprächen erleben durften, ist für uns eines der grössten Geschenke, die wir erhalten haben auf der Reise.

Landschaften und Natur – wir werden achtsamer

Was hält die Welt für wunderbare Plätze bereit und wieviele schöne Bilder haben sich in unseren Köpfen festgesetzt. Wir denken, dass wir das schon immer bewusst und mit offenen Augen wahrgenommen haben. Mit der Ruhe und Musse, die wir auf der Reise erlangen konnten, sind wir aber noch viel achtsamer geworden und haben unseren Sinn für das Kleine, Unscheinbare und Versteckte neu kalibriert.

Leider haben wir auch viele Naturplätze gesehen, die nicht geachtet werden von den Menschen, entweder mit Abfall übersäht sind oder mit schrecklichen Gebäuden und Strassen überbaut wurden. Das gehört auch zur Realität und oft waren wir wütend deswegen. Gleichzeitig ist es vielleicht auch etwas vermessen, diesbezüglich über andere Nationen zu urteilen. Denn auch wir in Mitteleuropa machen die selben Fehler oder haben sie gemacht und es ginge eher darum, sich gegenseitig zu unterstützen und zu beraten, dass sich diese Natursünden nicht stetig wiederholen. Und einen Tipp haben wir noch für alle Van-Reisenden: statt sich ständig über den Müll an den Stränden und Stellplätzen zu beklagen, empfehlen wir euch einfach mit einem Abfallsack herumzugehen und den Abfall einzusammeln – erstens siehts grad besser aus und zweitens steigt die Hemmschwelle Abfall zu deponieren, wenn noch nichts herumliegt. Die Veränderung fängt auch im Kleinen an finden wir. 

Freigeist ist ein sehr zuverlässiger Begleiter – bald hat er eine kleine Pause und vor allem eine ausgiebige Reinigung verdient

Unser Fazit zu Freigeist fällt kurz und bündig aus: er ist absolut tauglich für das was wir auf Reisen erleben wollen und wir sind glücklich über unsere Wahl. Dies betrifft das Fahrzeug an sich, aber auch unseren Innenausbau. Es gibt eine kleine Liste mit Verbesserungspotential und wir freuen uns jetzt schon aufs Werkeln wenn wir zu Hause sind. Aber im Grundsatz würden wir alles wieder so machen wie gehabt. Und jetzt steht dann erstmal eine Totalreinigung an und zwar innen und aussen!

Auf der Heimreise: zwischen Wehmut, Vorfreude und neuen Plänen

In gut einer Woche geht es auf die Fähre und dann ziemlich auf direktem Weg nach Hause zurück. Wobei der Begriff „nach Hause“ ja eigentlich ein komischer ist, denn wir haben uns in den letzten 6.5 Monaten überall zu Hause gefühlt. Aber vielleicht geht es bei diesem „zu Hause“ vielmehr um die Kombination von unserem Haus und der Familie und den Freund*innen, die wir unterwegs schon manchmal vermisst haben. Insofern können wir unsere Heimreise beschreiben als Gefühl zwischen Wehmut und Abschied von der Reise und Vorfreude auf unsere Liebsten. Und eins ist sicher, es wird wieder losgehen. Neue Pläne haben wir noch nicht konkret geschmiedet, aber sie sind in der Pipeline. Aber lasst und jetzt erstmal zurückkehren und das alles schön verdauen und sortieren. 

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