16/46 Gymrj – eine echte Überraschung oder wenn man zufällig über eine Perle stolpert

21. September 2021 | Armenien Blogs, Blogs der Reise, Eurasientour

16/46 Gymrj  – eine echte Überraschung oder wenn man zufällig über eine Perle stolpert

Wir landen ziemlich zufällig in Gymrj – einer mittelgrossen Stadt in Armenien im Nordwesten des Landes, nahe an der Türkischen Grenze. Weder wir noch irgendwelche Blogerkolleg*innen auf Instagram oder andere Reisende, die wir hier immer wieder antreffen hat je von diesem Ort gesprochen bis zu dem Moment in dem in eben jenen Kreisen bekannt wird, dass man hier einen PCR-Test machen kann und somit dafür nicht extra nach Jerewan fahren muss. Es ist wirklich lustig, wie sich solche Dinge dann auch rasch rumsprechen – als wir in  Gymrj sind, treffen wir nämlich Charlotte und Jürgen und die erzählen uns, dass Robert und Franziska eben auch hier angekommen seien… wir alle wollen ja in die Türkei resp. zuerst nach Georgien und brauchen dafür einen Test. 

Wir kommen also an und stolpern erstmal direkt in den sehr schönen und authentischen Markt der Stadt und lassen uns einfach mal treiben. Es gibt hier wahrlich alles: von der Unterhose zur Fliegenklatsche, vom Schweinekopf zum Granatapfel, vom Besen zur Handyhülle, vom gebügelten Markenartikelplastiksack zur Kaffeebohne und und und – ihr könnt jetzt selber raten, was davon wir gekauft haben und was wir verschmäht haben. Am frühen Nachmittag haben wir volle Einkaufstüten, etwas Hunger aber noch keinen PCR-Test und wir machen uns nach einem kleinen Snack auf die Suche nach diesem Labor. Google führt uns durch sämtliche Hinterhöfe und Nebensträsschen (wir sind aber zu Fuss unterwegs und daher geht das gut) bis hin zum besagten Labor – die Tafel weist zwar darauf hin, dass man hier so etwas wie einen Covid-19 Test machen könnte, allerdings sieht das alles sehr geschlossen und verlassen aus. Wir rufen noch auf die Telefonnummer an, die wir unter diesem Labornamen im Internet finden – allerdings erfolglos. So machen wir uns auf den Rückweg ins Zentrum und haben vor, bei einem Bierchen einen neuen Plan zu schmieden. Eine andere Teststation zu finden ist nicht so einfach möglich, wir haben bereits am Vormittag überall gefragt, nicht mal in den Apotheken können sie eine Auskunft geben, auch im Reisebüro werden wir irgendwie abgewimmelt – teilweise reagieren die Leute echt so wie wenn sie noch nie etwas von Covid-19- oder PCR-Test gehört hätten – was uns schon recht schräg dünkt. 

Aber wir sind frohen Mutes, irgendetwas wird sich ergeben und wir haben ja Zeit. Auf dem Rückweg – man glaubt es kaum – stehen wir plötzlich vor einem Labor, das PCR-Test anbietet. Die Dame verlangt erstmal unsere Pässe, fragt dann ob wir französisch sprechen und freut sich, dass wir bejahen – sie spricht nämlich sehr gut französisch. Allerdings schickt sie uns vorerst mal wieder weg und sagt, wir sollen um 18 Uhr 30 Wieder kommen, dann sei jemand da für den Abstrich. Ok, immerhin haben wir jetzt so etwas wie einen Termin.

In der Zwischenzeit erkunden wir weiter die Stadt, finden ein architektonisch bemerkenswertes Gebäude, das Marco aus der Literatur kennt, einen echt Old-School Vergnügungspark im Sowjet-Stil und eine schöne Fussgängerzone mit netten Kaffees – die Stadt ist einfach gemütlich, gepflegt und ansprechend. Später geraten wir dann noch in einen tollen Umzug zum heutigen armenischen Unabhängigkeitstag. Eine sicher über 1000m lange armenische Flagge wird von einer Menschenkette um die Stadt getragen – ein schönes farbiges Fest und wir freuen uns, dabei zu sein.

 

Später klappt es dann auch noch mit dem Test und wir fahren zum Übernachten auf ein verlassenes Grundstück etwas ausserhalb der Stadt. Morgen müssen – oder dürfen – wir ja wieder zurückkommen, denn unsere Testergebnisse werden erst am Abend da sein und so können wir nochmals einen Tag in dieser wirklich überraschend schönen und interessanten Stadt verbringen. Manchmal sind es ja die unbekannten und unscheinbaren Örtchen, die sich wider Erwarten als Perle entpuppen – das ist das, was wir so lieben am ungeplanten und unstrukturierten Reisen: man stolpert manchmal genau deshalb über solche Fundstücke.

Nachtrag: am nächsten Tag können wir also tatsächlich die Ergebnisse des PCR-Testes abholen – und wir sind negativ. Etwas verwirrt sind wir schon, als uns die ausgefüllten und gestempelten Testergebnisse vom Teppichhändler, der seinen Laden direkt neben dem Testlabor hat, überreicht werden. Wir sind nicht ganz sicher, ob der jetzt diese Ergebnisblätter ausgefüllt hat:-) oder ob er einfach der freundliche Überbringer ist und verstehen nicht, weshalb wir die nicht im Testlabor selber kriegen… aber alles soll man ja nicht hinterfragen, wir haben am nächsten Tag am Zoll jedenfalls keine Probleme mit diesem Formular.

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